Burenkrieg

I
Burenkrieg
 
Auf der Berliner Kongokonferenz 1884/85 hatten die Teilnehmerstaaten einen Versuch unternommen, Richtlinien fest zulegen, nach denen Machtkämpfe zwischen den europäischen Nationen um die noch nicht »vergebenen« Gebiete Afrikas vermieden werden konnten. Gleichwohl ging der Streit der imperialistischen Mächte um die Verteilung der noch »freien« Territorien Afrikas mit unverminderter Heftigkeit weiter.
 
Großbritannien besaß von allen sich beteiligenden Mächten die weitaus günstigste Ausgangsposition. Es konnte von seinen bereits bestehenden Besitzungen aus operieren, im Norden von Ägypten in Richtung Sudan und Ostafrika, im Süden von der Kapkolonie aus. Kolonialminister Joseph Chamberlain und der spätere Premierminister der Kapkolonie, Cecil Rhodes, entwickelten den Plan eines geschlossenen afrikanischen Besitzes mit einer durchgehenden Eisenbahnverbindung vom Kap bis nach Kairo.
 
Rhodes drängte auf die Ausdehnung des britischen Einflussgebietes nach Norden, um den Deutschen, die sich 1884 in Südwestafrika niedergelassen hatten, zuvorzukommen. Er annektierte das Betschuanaland und unterwarf im Kampf mit den Matabele und Maschona 1893 ein riesiges Gebiet für die britische Krone, das 1895 nach ihm Rhodesien genannt wurde. Damit waren die noch unabhängigen Burenrepubliken Oranjefreistaat und Transvaal von Süden, Westen und Norden umklammert. Ostentativ unterstützte Großbritannien die von den Goldfunden in Transvaal angezogenen weißen Siedler vorwiegend britischer Nationalität, die »Uitlanders«, denen der Burenpräsident Paulus (»Ohm«) Krüger die vollen Bürgerrechte verweigerte. Ein von Rhodes veranlasster bewaffneter Einfall in Transvaal unter Führung seines Mitstreiters Leander Starr Jameson am 29. Dezember 1895 (»Jameson Raid«) sollte eine Revolte der »Uitlanders« auslösen und die Burenregierung stürzen; Krüger konnte den Angriff jedoch abwehren.
 
Das Glückwunschtelegramm des deutschen Kaisers Wilhelm II. an den Burenpräsidenten (»Krügerdepesche«) rief im Inselreich große Empörung hervor und führte vorübergehend zu einer schweren Belastung der deutsch-britischen Beziehungen. Die nicht zu überbrückenden Gegensätze zwischen Großbritannien und den sich verbündenden Burenstaaten, die in Europa Waffenkäufe tätigten, führte schließlich im Oktober 1899 zum Krieg. Die anfänglich erfolgreichen Buren hofften vergeblich auf militärische Unterstützung durch europäische Mächte, insbesondere auf deutsche Waffenhilfe, und unterlagen im Juni 1900 der überlegenen militärischen Stärke der Welt macht Großbritannien. Die Fortsetzung der Kampfhandlungen in Form eines erbitterten Guerillakrieges beantworteten die Briten mit harten Repressalien gegen die Zivilbevölkerung, u. a. mit der Internierung von Frauen und Kindern in Konzentrationslagern, in denen unzulängliche Lebensbedingungen zu einer hohen Sterblichkeit führten. Erst im Mai 1902 wurde in Vereeniging der Friedensvertrag unterzeichnet.
 
Die Buren erkannten die Souveränität Großbritanniens über ihre Republiken an, ihnen wurden Kredite für den Wiederaufbau gewährt und die innere Autonomie für ganz Südafrika in Aussicht gestellt. Damit waren die Voraussetzungen für die Gründung der Südafrikanischen Union geschaffen.
II
Burenkrieg,
 
Südafrikanischer Krieg, der Krieg zwischen Großbritannien und den südafrikanischen Burenstaaten (Transvaal, Oranje-Freistaat) 1899-1902. Die Ursache des Burenkrieges waren die teils friedlichen, teils gewaltsamen Bestrebungen der Briten, ein zusammenhängendes Kolonialreich in Afrika, »vom Kap bis Kairo«, zu errichten; den Anlass zum Burenkrieg bildete die Drohung Großbritanniens, die Forderungen der Transvaal-Briten militärisch zu unterstützen. Diese waren nach der Entdeckung reicher Goldminen nach Transvaal eingeströmt und hatten schon im Jameson Raid (1895-96) versucht, das Land in ihre Hand zu bekommen; sie stellten dort etwa die Hälfte der Einwohner, die Uitlander.
 
Nach Ablehnung des burischen Ultimatums zur Einstellung britischen Truppenentsendungen erklärte am 11. 10. 1899 die Republik Transvaal Großbritannien den Krieg. Der Oranje-Freistaat trat sofort auf ihre Seite; dagegen blieb die von den Buren erhoffte Intervention der europäischen Mächte, besonders Deutschlands, aus (Krügerdepesche). Die zunächst zahlenmäßig überlegenen Buren waren bis Februar 1900 in der Offensive. Sie belagerten die Städte Ladysmith, Kimberley und Mafeking, konnten aber ihre Erfolge nicht ausnutzen und unterlagen der Übermacht der von F. Sleigh Roberts und H. H. Kitchener geführten Briten. Am 27. 2. 1900 kapitulierte der Burengeneral P. A. Cronje am Paardeberg. Am 24. 5. 1900 wurde die Annexion des Oranje-Freistaates, am 1. 9. diejenige Transvaals verkündet. Im Guerillakrieg leisteten die Buren noch fast zwei Jahre lang zum Teil erfolgreich Widerstand. Die Briten beherrschten durch die systematische Errichtung von Blockhäusern die Verkehrswege. Durch Abbrennen der Farmen, Vernichtung der Viehherden und Einweisung der Frauen und Kinder in Konzentrationslager wurde der Widerstandswille der Buren allmählich gebrochen. Sie mussten sich im Abkommen von Vereeniging (31. 5. 1902 unterwerfen. (Südafrika, Geschichte)
 
 
T. Pakenham: The Boer War (London 1979);
 
The South African War. The Anglo-Boer War 1899-1902, hg. v. P. Warwick u. S. B. Spies (Harlow 1980).

Universal-Lexikon. 2012.

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